Geschichte

Die Anfänge
Die Geschichte des Christentums in unserer Region reicht in die römische Zeit zurück. So trifft Gallus, der mit Kolumban und weiteren iro-schottischen Mönchen von Luxeuil an den Bodensee kommt, in Arbon (arbor felix) auf einen Diakon namens Hiltibold. 612/13 errichtet Gallus im oberen Steinachtal eine Einsiedelei, aus der hundert Jahre später unter der Leitung von Abt Otmar ein eigentliches Kloster entsteht. Vom 9. bis 11. Jahrhundert entwickelt sich dieses zu einer der wichtigsten Kultur- und Bildungsstätten nördlich der Alpen. Nach einem langsamen Niedergang führt der initiative Abt Ulrich Rösch (1463-1491) das Kloster zu neuer Blüte und schafft aus dem verstreuten Klosterbesitz einen geschlossenen Territorialstaat: Das Kloster wird zur Fürstabtei. Ab 1524 führen Joachim von Watt, genannt Vadian, und Johannes Kessler die Reformation in St. Gallen ein. 1566 wird die reformierte Stadt territorial vollständig vom Stift getrennt. Im Zuge der katholischen Reform wird in der Barockzeit die Seelsorge in der Fürstabtei durch die Gründung neuer Pfarreien ausgebaut – so in der Umgebung von St. Gallen in Mörschwil (1633), Untereggen (1678), Eggersriet (1670) und Häggenschwil (1728).

Aufhebung des Klosters und Gründung des Bistums
Das Kloster St. Gallen ist durch alle Jahrhunderte hindurch das Seelsorge-Zentrum der Region. Die Stifts­kirche ist zugleich Pfarrkirche für die Gebiete von Wittenbach bis Gaiserwald. Mit der Aufhebung der Fürstabtei durch den neu gegründeten Kanton (1805) beginnt die Geschichte der Dompfarrei im engeren Sinn. Die Koadjutoreien (Filialkirchen) St. Martin Bruggen, St. Fiden, St. Ulrich Wittenbach, St. Josefen und Engelburg werden 1807 selbstständige Pfarreien. Nach der Aufhebung des Bistums Konstanz (1821) werden die St. Galler Pfarreien zuerst Teil des Doppelbistums Chur-St. Gallen, bis schliesslich 1847 das eigen­ständige Bistum St. Gallen errichtet wird. Damit wird die Stiftskirche auch zur Bistumskirche.

Die Pfarreien in der Stadt St.Gallen
Durch die Industrialisierung, insbesondere durch die Stickereiblüte, wächst die Stadt um die Jahrhundert­wende enorm, was zur Gründung neuer Pfarreien führt: 1908 St. Otmar (aus Gebieten der Dompfarrei und der Pfarrei Bruggen) und 1917 S. Maria Neudorf (aus Gebieten der Pfarrei St. Fiden). 1917 fusionieren die politischen Gemeinden St. Gallen, Tablat und Straubenzell zur neuen Gemeinde von Gross-St. Gallen. Das Bedürfnis der Stadtkatholiken, auch ihre Organisation und Administration zu vereinheitlichen, führt 1925 zur Gründung der Katholischen Kirchgemeinde St. Gallen. 1932 wird St. Georgen von der Dompfarrei abgetrennt und eigenständige Pfarrei; 1969 wird die Pfarrei Rotmonten aus Teilen der Dompfarrei und der Pfarrei Heiligkreuz (1930) errichtet.

Die Dompfarrei bis heute
In der Dompfarrei entstehen ab der Jahrhundertwende jene katholischen Vereine, die als „Milieu­katholi­zismus“ bis in die 60er-Jahre das kirchliche Leben prägen: Vinzenzkonferenz, Frauen­gemeinschaft, Jung­wacht, Blauring, Pfadfinder, Jungfrauen- und Jungmännerkongregation, KAB und viele mehr. Einen besonderen Stellenwert hat immer schon die Kirchenmusik mit berühmten Domorganisten und Domkapellmeistern sowie dem Domchor, dem ältesten noch bestehenden Verein der Pfarrei (seit 1878). Eine wichtige Verbindung besteht seit den Anfängen vor 150 Jahren mit der Flade, der katholischen Kantonssekundarschule.

Während die Kathedrale vor allem den „hoch-liturgischen“ Bedürfnissen zu dienen hatte, bot die Schutz­engelkapelle (1843-46 als „Kinderkapelle“ errichtet) den Gottesdiensten und Katechesen für Kinder und Jugendliche Raum. Auch die Italiener- und Spaniermission feiern bis heute ihre Gottesdienste in dieser Kapelle. 1972 erhält die Pfarrei am Gallusplatz ein eigenes Pfarreiheim.

Die liturgische Erneuerung durch das Zweite Vatikanische Konzil fällt in St. Gallen mit der umfassenden Innenrestaurierung der Kathedrale (1961-67) zusammen. Vor dem Chorgitter wird ein provisorisches Altarpodest mit einem „Volksaltar“ aufgebaut, das 2014 von einer definitiven Altarraumgestaltung abgelöst wird.

Die personelle Situation der Dompfarrei ist seit der Gründung des Bistums St. Gallen direkt verknüpft mit dem Domkapitel. Das Residentialkapitel (bestehend aus fünf Mitgliedern) wählt jeweils aus seinen Reihen den Pfarr-Rektor beziehungsweise seit 1981 den Dompfarrer. Ihm zur Seite standen früher etliche Domvikare, welche als Seelsorger an der Basis – das heisst: vor allem in den Schulen und den katholischen Vereinen – tätig waren. Erst verhältnismässig spät hielt auch der Beruf des Pastoralassistenten in der Dompfarrei Einzug (1999 Urs Länzlinger; 2002 als erste Frau Barbara Walser).

Administrativ steht die Dompfarrei zwischen dem Katholischen Konfessionsteil und der Katholischen Kirchgemeinde St. Gallen. Eine gemischt besetzte Kathedralkirchenkommission ist für die Belange der Kathedrale zuständig, während für die übrige Seelsorge in der Dompfarrei administrativ die Katholische Kirchgemeinde verantwortlich ist.

Heute

Drei Stichworte charakterisieren die heutige Dompfarrei:
Das Erbe leben – Not wendend – mittendrin

Die Wohnbevölkerung der Dompfarrei hat sich in den letzten 40 Jahren markant verändert: 1975 zählte die Pfarrei 9‘330 Katholiken, heute sind es noch rund 4‘600. Familien wohnen wenige in der Innenstadt. Oft bringen junge Paare ihr erstes Kind noch in der Dompfarrei zur Taufe und ziehen spätestens beim Schuleintritt des Kindes weg.

Zentrumspfarrei
Durch die Veränderung der Wohnbevölkerung und die besondere Situation der Kathedrale ist die Dompfarrei eine Zentrumspfarrei geworden – mit einer Ausstrahlung in die ganze Stadt und Region. Die Kathedrale als markante Kirche im Stadtzentrum und als Teil des Stiftsbezirks und damit des UNESCO-Weltkulturerbes zieht viele Menschen an. Mit grosser Sorgfalt pflegen wir verschiedene liturgische Formen (u.a. Domvesper, Heilsingen, Kindersegnungen) und erschliessen mit speziellen Kirchen­führungen („Kathedrale erleben“) den geistlichen Reichtum des Raumes. Jeden Tag wird in der Kathedrale die Eucharistie gefeiert, und es gibt ein regelmässiges Beichtangebot. Einen ausserordentlich hohen Stellenwert hat die Kirchenmusik (Orgel, verschiedene Ensembles). Ein besonderer Ort für das stille Gebet und die Anbetung ist die Herz-Jesu-Kapelle. Die Zentrumsfunktion der Kathedrale ermöglicht zudem die Vernetzung mit weiteren pastoralen „Initiativen“, zum Beispiel: Gottesdienste mit Gehörlosen (Gehörlosen- und Behinderten-Seelsorge des Bistums), Gottesdienst „für jungi Lüüt“ (yesprit, junge Pfarreibibelgruppen Immanuel), Abschluss­gottesdienst der Exerzitien im Alltag (Pastoralamt des Bistums), Universitätsgottesdienste (mit der Universitätsseelsorge), Kollegiumsgottesdienste (vor den Sitzungen des Katholischen Kollegiums), Fest des geweihten Lebens mit den Ordensleuten des Bistums, anderssprachige Gottesdienste (Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch) und den „Sonntag der Nationen“ jeweils am letzten Oktobersonntag.

Ökumene
Auch in der Ökumene hat die Kathedrale eine Zentrumsfunktion. Hier geht es nicht darum, gemeinsam „Kirche im Quartier“ zu sein, sondern die Kathedrale ist zusammen mit der reformierten Stadtkirche St. Laurenzen der Ort der „grossen Ökumene“, wo auch überregionale Gemeinschaften wie die Christ­katholiken, die Methodisten und die jüdische Gemeinde mit einbezogen sind (z.B. städtische 1.-August-Feier, gemeinsame Gottesdienst in der Gebetswoche zur Einheit der Christen).

Alte und neue Gefässe
Durch die Zentrumsfunktion ist es in der Dompfarrei schwieriger, Beheimatung und Identität zu schaffen. Orte der Beheimatung sind nach wie vor die KAB und die Frauengemeinschaft sowie verschiedene Senioren-Anlässe. Erfreulich ist, dass sich im Dom jüngere Menschen aus der weiteren Region zusammen­finden, die ein stärkeres kirchliches Interesse haben. Gefässe dafür sind zurzeit die Ministrantenschar, die Lektoren­gruppe und das crossPoint-Team sowie besondere Projekte.

Diakonie
Durch die Veränderung der Wohnbevölkerung seit den 70er-Jahren wurden soziale und diakonische Aufgaben wichtiger. Deshalb wurde ein professioneller Sozialdienst Dom aufgebaut, der heute als Sozialdienst Zentrum für die ganze Seelsorgeeinheit tätig ist. Mit dem Offenen Haus und dem Solihaus in St. Fiden konzentrieren sich allerdings viele soziale Projekte dort.

DomZentrum
Mit dem Umbau des Pfarreiheims Dom 2014/15 wurde auch baulich ein neues, starkes Zentrum geschaffen. Die meisten Mitarbeitenden der Dompfarrei haben ihr Büro im DomZentrum, was die Zusammenarbeit erleichtert. Zudem sind die drei Dekanatsarbeitsstellen (für kirchliche Jugendarbeit, Katechese und Pastoral) sowie die Kirchenverwaltung im selben Haus, was die Koordination und die informellen Kontakte fördert.

 

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